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Ich habe Hund gegessen!

Ich habe Hund gegessen!

In China essen sie Hunde – ist im Westen nicht nur eine weit verbreitete Floskel im Bezug auf Asien, sie trifft sogar noch zu. Aber nicht nur in China werden Hunde gegessen. Auch in Vietnam und vielen anderen Ländern unserer Erde findet der Hund seinen Weg auf die Speisekarte der Menschen.
Ich habe lange mit mir gezögert und viele Informationen eingeholt, bevor ich mich dafür entschied, Hund in Vietnam zu essen.
Welche Emotionen mich bewegten und warum ich mich letztendlich für das probieren von Hundefleisch entschied, liest du in diesem Artikel.

Meine Bedenken

1. Mein gesellschaftlicher und kultureller Hintergrund

Als Westler wachsen wir mit Hunden auf. Sie sind Teil unseres Alltags und als „der beste Freund des Menschen“ bekannt. Die Domestizierung von Hunden als Haustiere liegt schon lange zurück und uns käme nicht in Frage, diese Begleiter und Spielgefährten zu töten und zu essen.
Alleine der Gedanke ruft bei den meisten schon Abscheu und Ekel hervor. Auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gab es gemischtes Feedback, als sie erfuhren, dass ich Hund gegessen hatte.

Ich bedenke, wie es wohl wäre, ein Tier zu essen, welches ich so sehr mag. Auch wenn ich zu dem einzelnen Tier keine emotionale Bindung hatte, bin ich doch ein großer Hunde bzw. Tierfreund.

Ich stellte mir Fragen wie:

„Ist es heuchlerisch, auf der einen Seite Hunde zu mögen und auch als Haustier zu halten und auf der anderen Seite zu legitimieren, dass diese getötet werden, damit ich ein leckeres Mahl auf dem Teller habe und meine Neugierde auf ein exotisches Essen befriedigt wird?“

Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass es nicht heuchlerisch ist.
Es wäre meiner Meinung nach sogar falsch, als Omnivor (Allesesser) den Hund von meinem Speiseplan auszuschließen. Ich würde ihm quasi mehr Rechte eingestehen, als den ganzen anderen Tieren, die ich ohne Reue esse.
Dazu zählte in Europa z.B.

  • Huhn
  • Ziege
  • Lamm
  • Rind
  • Schwein
  • Hase
  • Ente
  • Hirsch
  • Pferd
  • Frosch
  • Pute
  • Meerestiere

etc.

Sind diese Tiere weniger Wert als ein Hund?

Im Ergebnis kann ich für mich sagen:
Entweder ich verzichte komplett auf den Konsum von Fleisch, oder ich mache keinen Unterschied zwischen den einzelnen Tieren. Alles andere wäre für mich inkonsequent im Bezug auf meinen Fleischkonsum.

2. Niedlichkeitsfaktor

Für viele ist die Niedlichkeit eines Tieres schon Grund genug, ein Tier nicht zu essen.

Dabei wird aber schnell vergessen, dass auch „wir“ viele super niedliche Tiere essen. Ein Lamm kann ganz schön niedlich sein und es landet bei uns trotzdem auf dem Teller. Auch die großen runden Knopfaugen eines Kalbes, lässt uns nicht auf dessen Konsum verzichten. Und wie viele Kinder haben einen Hasen im Gehege, welcher liebgewonnen und geknuddelt wird? Zu Weihnachten kommt dann trotzdem der Hasenbraten auf den Tisch.

Der emotionale Hintergrund beeinflusst uns in der Wahrnehmung unserer Essenswahl. Dass diese Emotionen aber nur regional präsent sind, merkt man schnell, sobald man in die Welt aufbricht und sich auf die neuen Gegebenheiten einlässt.
Die Menschen leben nicht schlechter oder besser als wir – nein – sie haben nur andere Hintergründe im Bezug auf ihre Nahrung. Darüber zu urteilen wäre nicht nur falsch, es wäre schlichtweg dumm.

Ein großes persönliches Ziel meiner Reise ist es, eigene Denk- und Verhaltensweisen durch neue Erfahrungen in fremden Ländern zu hinterfragen. Dazu zählt auch, mich auf andere Essgewohnheiten einzulassen, zu probieren oder sie zumindest zu tolerieren. Ob ich dieses Essen dann mag und öfters zu mir nehme, ist dann wiederum eine andere Frage.

3. Die Umstände der Schlachtung

Erst vor kurzem ist wieder einmal ein Schock-Video zu dem berühmten Hundefestival in China durch die sozialen Netzwerke gegeistert. Das traditionelle Festival hat seine traurige Berühmtheit dadurch erlangt, dass dort mehr als 10.000 Hunde und Katzen durch teilweise qualvolle Tötungspraktiken zu Nahrungsmitteln gemacht werden. Die Hunde stammen größtenteils aus Privathaushalten und wurden von Hundefängern geklaut, in kleine Käfige gesperrt und zu dem Festival gebracht.

Dieser Hintergrund war für mich nicht vertretbar und ich hätte dort sicherlich keinen Hund gegessen. Eine schnelle, möglichst schmerzfreie Tötung, ist für mich Voraussetzung für den Konsum von Lebewesen.

Leider ist aber auch bei uns im Westen so einiges im Argen, was die Schlachtung und Haltung von Tieren angeht. Siehe auch den Film: Earthlings

Wir haben also vielmehr ein internationales Problem mit unserem Verhalten gegenüber Tieren.

Da ich für mich aber als Grundvoraussetzung für das Testen von Hundefleisch eine „normale“ Schlachtung sah, informierte ich mich bei unterschiedlichen Quellen über das Vorgehen in Hanoi. Ich befragte diverse Vietnamesen über die Vorgänge der Schlachtung und mir wurde unabhängig voneinander bestätigt, dass die Schlachtung wie bei anderen Tieren abläuft. Die Hunde werden also nicht qualvoll tot geprügelt oder lebendig gekocht, wie es bei diesem Festival teilweise vorkommt. Auch war hier nicht der Aberglaube vertreten, dass das Fleisch durch Adrenalinausschüttung schmackhafter wird.

Auf diese verschiedenen Quellen wollte ich nun vertrauen und hakte meine Bedenken mit der Tötungsform für mich als vertretbar ab.

Anmerkung: auch in Vietnam essen nicht alle Hund. Einige Vietnamesen wunderten sich sogar warum ich das probieren möchte und verzogen entsetzt das Gesicht. 😉

Hund auf dem Tisch

Nachdem die Entscheidung gefallen war, Hund in Hanoi zu probieren, weihte ich meine vietnamesischen Freunde ein. Sie waren sofort dabei und wir vereinbarten ein gemeinsames Abendessen mit Hund auf dem Tisch.

Der große Tag war gekommen. Keine andere Mahlzeit in meinem Leben brachte jemals so gemischte Gefühle in mir hervor.
In mir breitete sich die Neugierde aus und gleichzeitig hatte ich leichtes Unbehagen in der Magengegend. Gedanken schwirrten durch meinen Kopf und für einen Augenblick zögerte ich sogar!
Wie kann ein Essen so viele Emotionen auslösen?? Wow!

Die Augen waren auf mich gerichtet – dem Westler der zum ersten mal Hund probiert. 🙂

Das Essen war da und wir breiteten alles auf einem Tisch aus.

Hund auf dem Tisch

Es gab drei verschiedene Hundefleischgerichte. Das war einmal, das gegrillte Hundefleisch. Es waren vor allem Teilstücke mit Haut, die auch relativ fettig waren.
Dazu gab es noch diverse Innereien vom Hund, wie z.B. Stücke vom Herz.

gegrillter Hund

Ein weiteres Gericht war eine Art Eintopf, mit einer wohlschmeckenden, dunklen Soße. Ich vermute, dass sie u.a. mit Blut gekocht wurde. Darin waren sehr zarte Hundefleisch Stücke, die nahezu keinen Fettanteil hatten.

Hund in Sauce

Mein persönlicher Favorit waren aber die mageren, kleinen Fleischstücke die wohl in einem Wok gebraten wurden. Sie waren intensiv gewürzt (u.a. mit Ingwer). Und erinnerten mich irgendwie ein Stück weit an türkische Fleischgerichte.

Hund im Wok

Zum Hundefleisch gab es noch verschiedene Dips, etwas Sojasauce und den klassischen vietnamesischen Dip aus Chili, Limettensaft und Salz.

Zusätzlich gab es gepresste Reisnudeln und einen Korb mit vielen verschieden, frischen Gewürzen, Salaten und bitteren Blättern. Zum snacken und würzen. 🙂

INFO: Es ist hier üblich zum Hund immer wieder kleine Becher mit Reisschnaps zu trinken. Nachdem man ein- zwei Happen gegessen hatte, machte der Reisschnaps die Runde. Am Ende des Essens ist also nicht nur der Bauch voll sondern man selbst ist auch ganz schön „voll“. 😀

Wie schmeckt eigentlich Hund?

Geschmacklich empfand ich das Hundefleisch als relativ unspektakulär. Es ließe sich wohl am ehesten zwischen Rind und Wildbret einordnen. Insgesamt war es aber ein etwas intensiverer Geschmack, der natürlich abhängig vom jeweiligen Gericht und den Gewürzen beeinflusst wurde.

Solltest du Hundefleisch probieren wollen, wirst du überrascht sein wie „normal“ das Fleisch schmeckt. Da hat z.B. Wild in Deutschland einen deutlich eigenständigeren Geschmack, der nicht jedem gefällt.

Das Leben danach …

Jetzt gibt es kein zurück mehr – ich habe Hund gegessen! Leicht war es nicht und mich beschäftigten einige Gedanken, bevor ich mich dafür entscheiden konnte das Fleisch zu testen.

Im Bereich der Nahrung gibt es wohl wenige so emotional belastete Themen wie das Essen von Hund.
Das beschäftigen mit der Thematik hat mich persönlich weiter gebracht. Es ist ein weiterer Schritt, offener zu werden gegenüber den verschiedenen Sitten, Bräuchen und Eigenheiten der Menschen auf unserer Erde. Und es wurde mal wieder ein Spiegel auf mich gerichtet, der mir zeigte woher eigentlich die eigenen Einstellungen zu bestimmten Themen kommen.

Was mich interessiert:

Wie denkst du darüber Hund zu essen und könntest du dir vorstellen selbst einmal Hund zu probieren?
Hitzige, aber sachliche Diskussionen in den Kommentaren sind sehr willkommen! 🙂

SO – UND JETZT?

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Es gibt so viele leckeren Gerichte in Asien. Auch für Westler verträglich! 😉

Ein super leckeres Gericht ist die Suppe in Laos: Hommage an die laotische Nudelsuppe

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