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Raus aus dem Hamsterrad
Raus aus dem Hamsterrad

Raus aus dem Hamsterrad

*Zeitsprung – Juni 2014*

Ich sitze gerade in meinem 13qm Zimmer und starre auf die fertig möblierte Einrichtung meiner WG und meinen wichtigsten Habseligkeiten die ich noch besitze. Jetzt ging alles doch schneller als gedacht! Ich hatte meinen Job frühzeitig auf Teilzeit umgestellt. Habe angefangen zu hinterfragen was ich wirklich benötige und habe schrittweise meine Ausgaben heruntergefahren.

Faszinierend wie viel man eigentlich für Nichtigkeiten ausgibt!
Nach kurzer Zeit hatte ich 2/4 meiner Ausgaben zeitnah reduziert. Abonnements und Mitgliedschaften gekündigt, überschüssiges verkauft oder gespendet, um mich schlussendlich soweit zu reduzieren, dass ich meinem Ziel immer näher komme:

Ein minimalistisches Leben als digitaler Nomade zu führen. Kombiniert mit dem erfüllen meiner Reiseträume.

In diesem Artikel erzähle ich dir, wie es dazu gekommen ist. 🙂

Inhalt des Artikels:

freier sein - raus aus dem Hamsterrad

Raus aus dem Hamsterrad – die Welt bereisen und als digitaler Nomade leben.

Das Umstellen auf Teilzeit war mein erster Schritt in ein freieres Leben, ein unabhängigeres Leben. Ich wusste, wenn ich weiter für andere die volle Woche arbeite und die restliche Zeit nutzen musste um mich wieder für die Arbeit zu regenerieren, dann werde ich nie meinen eigenen Weg gehen können.
Einen Freigeist in einem festen, angestellten Job, mit fixen Arbeitszeiten und örtlicher Präsenz  festzuhalten ist wie wenn man den Flaschengeist nicht aus seiner Flasche lässt um sich 3 Wünsche erfüllen zu lassen.

Das umstellen auf Teilzeit war in meinem aktuellen Betrieb nicht so leicht wie gedacht. Ich hatte mich also darauf eingestellt zu kündigen und den Betrieb zu wechseln, um meinem Ziel näher zu kommen. Dieser festen Überzeugung sollte ich noch viel zu verdanken haben, ist sie doch der Anstoß in eine neue Ich-Wahrnehmung geworden und letztendlich Beweismittel Nr. 1, dass meine Idee auch tatsächlich meinen inneren Wünschen und Bedürfnissen entspricht.

Nur eine Schnapsidee?

Keine Schnapsidee – sondern ein Ziel, welches ich mit allen Mitteln verfolgen werde

Ich konnte dennoch meinen Arbeitgeber überzeugen. So arbeitete ich noch einige Monate weiter in Teilzeit und verließ dann, ohne einen festen Job in der Tasche, die Firma. Manche würden dazu „naiv“ sagen. Ich aber wollte das so! Zu diesem Zeitpunkt wusste ich: „Alles was ich jetzt machen werde wird mich weiter bringen und keinesfalls zurück werfen.
Ich verließ also die Firma, verkaufte und spendete nahezu alle Besitztümer die ich hatte und löste meine Wohnung in Düsseldorf auf. Mit einer kleinen Rücklage im Gepäck, meinem voll bepackten Backpacker Rucksack und zwei Umzugskartons im Auto, fuhr ich nach Stuttgart, um hier meinen Zwischenstop einzulegen, bis ich am 01.12.2014 meine Reise starten werde.

neue Türen öffnen

Wenn hinter dir eine Türe zugeht – gehen vor dir Türen auf

Und so war es! Ich hatte mich darauf eingestellt mit einem kleinen Teilzeitjob in einem Discounter oder ähnliches über die Runden zu kommen. Mein Fokus lag auf der Realisierung eigener Projekte und es musste nur eine Basis als Einkommen vorhanden sein um Leben zu können. Doch soweit sollte es nicht kommen.Zurück“ in Stuttgart empfingen mich alte Freunde mit offenen Armen und boten mir eine erste Unterkunft an. Ganz beiläufig ergab sich auch die Gelegenheit bei einem zukunftsorientierten Online-Unternehmen in der Konzeption/Produktentwicklung in Teilzeit zu arbeiten. Nach einer gewissen Zeit entschieden wir, dass ich weiter für die Firma arbeiten sollte. Egal von wo. Perfekt!

So konnte ich weiter an meinem, mittlerweile stark ans Herz gewachsenen, Projekt in der Firma mitwirken und hatte zudem für mich noch einen erleichterten Start in mein neues Leben.
Ich war nicht abhängig von regelmäßige Aufträgen als Freelancer, noch von meinen passiven Einkommensquellen. Auch meine Reisekasse freute sich! 🙂

Du denkst jetzt sicher, dass ich einfach nur Glück hatte und zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Richtig! Das hatte ich. Aber das Glück kommt selten von alleine auf dich zu. Meistens muss man hierzu selbst den ersten Schritt gehen! Wenn man sich erst einmal bewusst gemacht hat, auf was man alles verzichten kann, fällt es einem meistens leicht ein größeres Risiko einzugehen.

täglich grüßt das Murmeltier

Und täglich grüßt das Murmeltier

Täglich ist man seinem persönlichen Alltagstrott konfrontiert.

Morgens aufstehen – Weg zur Arbeit – Arbeit – Mittagspause – Arbeit – Weg nach Hause – Freizeit – Schlafen.

Ein fortlaufender Dialog, den man mit sich und seiner Umwelt führt, ohne jedoch nur ansatzweise auszubrechen. Auch ein Städtetrip oder der wohlverdiente dreiwöchige Jahresurlaub ist nur ein Trugbild, welches einem die nötige Power und Ablenkung geben soll um bis zum nächsten Urlaub durchzuhalten. Zu diesem Gedankengang kommt es jedoch nur bei den wenigsten, denn sie sind zu stark abgelenkt von dem Input den sie in ihrer kurzen, freien Zeit bekommen. Aus diesem Grund ist es leider vielen nicht möglich diesen Ablauf zu hinterfragen, um sich selbst ein Leben zu gestalten, welches ihren innersten Bedürfnissen entspricht.

Und nein – die innersten Bedürfnisse sind wahrscheinlich gar nicht die, an die du jetzt in diesem Augenblick denkst. Die innersten Bedürfnisse kommen bei den meisten erst dann an das Tageslicht, nachdem sie sich eine längere Zeit intensiv mit sich und ihrem Leben auseinander gesetzt haben. So war es auch bei mir. Du wirst überrascht sein, was wirklich in dir steckt!

Die Gesellschaft tut ihr übriges. Sie möchte, dass du funktionierst. Und zwar so wie es für die Gesellschaft von Vorteil ist und nicht was für dich von Vorteil ist oder was deinen Bedürfnissen entspricht. Das ist ein großes Thema, welches ich jetzt nicht zu stark anreißen möchte. Ein Beispiel muss ich dennoch nennen:
Man merkt die Problematik, wenn man mal versucht aus den vorgelebten Mustern auszubrechen. Folgendes bekommt man zu hören, wenn man als Mann in seinen karrierestarken Jahren freiwillig und bewusst einen Teilzeitjob eingeht:

„Wie kannst du das machen, manch anderer ist froh wenn er überhaupt einen Job bekommt!“
oder „Du bist doch nicht krank, warum arbeitest du nicht Vollzeit?!“
oder aber „Möchtest du nicht weiter Karriere machen damit du dir, deiner zukünftigen Familie und deinen Kindern später etwas bieten kannst?“

Eine Antwort darauf zu finden ist zwar für mich relativ einfach, würde aber meine Kritiker nicht überzeugen.
Dabei ist es doch so offensichtlich….
oder wie es Jeremy Rifkin in einem Interview so schön formulierte, der Sterbebett-Test:

Wer würde auf dem Sterbebett sagen: „Wäre ich damals nur länger im Büro geblieben!“ – Keiner! Jeremy Rifkin, Ökonom

Die Fragesteller schauen nur verwundert und verstehen die Antwort nicht. Jedenfalls nicht in ihrer wahren Tiefe. Diesen Menschen ist nichts vorzuwerfen. Auch ich hatte einmal andere Prioritäten und habe mich an Dingen erfreut, Ziele angestrebt und mich von Dingen motivieren lassen, welche keinen wirklichen Wert hatten. Denn so haben wir es gelernt. Von unseren Eltern, unseren Medien, unserem sozialen Umfeld, unserer Kultur und von vielen anderen Dingen um uns herum, mit denen wir groß geworden sind. Den Rest erledigt unser Selbstschutz-System unseres Gehirns, nämlich das regelmäßige Tun als positiv zu verarbeiten und nach außen zu rechtfertigen und zu verteidigen.

Wenn das nicht so wäre, würden wir wahrscheinlich an der Sinnlosigkeit zerbrechen, wenn wir plötzlich klar erkennen würden, was für arme Würstchen wir eigentlich sind 🙂

Prioritäten setzen - weniger ist mehr

Die Prioritäten und welchen Einfluss sie haben

Zu Beginn meiner Entscheidung war ich mir schnell klar, dass ich ab sofort deutlich reduzierter leben möchte. Ich behaupte mal, dass man mindestens 70% von allem was man besitzt nicht regelmässig nutzt geschweige denn überhaupt benötigt. Aus diesem Grund verabschiedete ich mich von vielen Dingen und setzte meine Prioritäten neu.
Wenn man seine Prioritäten weg von materiellen Gütern setzt wird einem schnell bewusst, wie günstig ein komplett glückliches und freies Leben sein kann. Es besteht kein Zwang mehr viel zu verdienen um seine Anschaffungen halten und finanzieren zu können und es besteht auch kein Zwang mehr jedem neuen Trend hechelnd hinterherzulaufen.

Der Druck sinkt!

Von klein auf bekommen wir den Konsum und die Bedeutung des Konsums injiziert und setzen uns, wenn auch unterbewusst, gegenseitig unter Druck.
Wenn man sich aber an den Punkt bringt, dass man deutlich bewusster konsumiert, spart das einem nicht nur Geld sondern auch Zeit.
Ich war an einem Punkt angekommen, indem ich für mich spürte, dass der Verzicht auf den stetigen Konsum und viel Besitz ein Gewinn für mich ist und ein Gewinn für mein Vorhaben aus dem Hamsterrad auszubrechen.

die Komfortzone

Das Bedürfnis in fast jedem von uns

An diversen geteilten Facebook Beiträgen sieht man, dass grundsätzlich ein Bedürfnis nach Freiheit und Selbstverwirklichung in uns allen steckt. Dieses Video hat mittlerweile über 7 Millionen Views:





Innerhalb kürzester Zeit teilten sehr viele Leute dieses Video in den sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder Google+.
Es ist, ohne Frage, berührend. Auch ich fand Gefallen daran. Fasste Julia doch einige Fakten in Worte. Dazu noch schön und poetisch vorgetragen.

Dennoch war ich etwas amüsiert über diesen Erfolg. Wie so oft teilten oder likten die Leute Dinge, welche die Freiheit, das Leben und die Selbstverwirklichung mit positiven Worten propagierte. Aber komischerweise lebten diese Leute nicht nach dieser Einstellung.
Ich fragte mich „War es diesen Menschen genug, Dinge zu teilen, welche sie gerne leben möchten? Und war es ihnen dennoch zu viel Aufwand, diese Dinge auch in ihrem Leben anzustreben?“

Ich weiß es nicht.

Mir ist bewusst geworden, dass in den meisten Menschen das Sicherheitsdenken und das risikoarme Leben so stark dominiert, als dass sie alles was sich ausserhalb dieser schützenden Barriere befindet als feindlich oder zumindest als suspekt betrachteten. Und mit allen Mitteln versuchen sie, nicht aus ihrer Komfortzone auszubrechen. Das ist schade, so habe ich doch auch für mich die Erfahrung gemacht, dass gerade diese Mauer dich von deinen wahren Bedürfnissen abhält und das eigentliche Leben erst dann beginnt, wenn man diese Barriere überwindet und ausbricht. Ich wünsche jedem genügend Kraft und Mut diesen Schritt zu gehen.

meine ToDo Liste für mein Leben

Ich und meine ToDo Liste für mein Leben

Da sitze ich also. Sitze in meinem 13qm Zimmer. Ein Zimmer in einer WG in Stuttgart und zähle schon die Tage bis zu meinem Flug. Manche würden sagen, dass ich erfolgreich aus dem Hamsterrad ausgebrochen bin.

Bin ich das?

Wenn ja, ist das schneller und geradliniger passiert als ich es selbst für möglich gehalten hätte. Ich glaube aber, um das selbst von mir behaupten zu können, ist noch ein weiter Weg vor mir. Ich müsste auch erst die Bedeutung von „Hamsterrad“ für mich etwas näher definieren. Aber eines kann ich schon jetzt sagen – es fühlt sich momentan alles verdammt gut und verdammt richtig an!

Die letzten Monate bis zu meiner Reise sind vor mir und langsam beginnt es, dass sich ein mulmiges und aufwühlendes Gefühl in meiner Magengegend breit macht. Ich überlege mir, ein paar weitere Dinge für meine persönliche Bucket List, mit den Punkten die ich bestenfalls alle Schritt für Schritt abhaken werde.
Gleichzeitig bin ich mitten dabei meinem Blog den letzten gestalterischen Feinschliff zu geben und es scheint so, als würde der Sommer 2014 komplett an mir vorbeiziehen. Aber der Fokus liegt auf meinem Plan: als digitaler Nomade durch die Welt zu reisen. Das erste was ich lernen musste war das Verzichten. Der vielleicht schwerste, aber auch größte Schritt. Wenn du diesen geschafft hast, rollt das ganze wie von selbst. Und so verzichte ich diesen Sommer gerne auf viele schöne Erlebnisse um in den nächsten Jahren von meinem momentanen Tun zu profitieren. Das ist Verzicht der motiviert!

Ich weiss, dass ich meinen Sommer dieses Jahr erst im Europäischen Winter haben werde. Ich bin dann nämlich in Südostasien! Ich weiss, dass sich dann die ganzen investierten Stunden bezahlt machen und ich weiss auch, dass dies die vielleicht beste Entscheidung in meinem Leben sein wird.

Und ich weiss, du kannst das auch! Raus aus deinem Hamsterrad.

SO – UND JETZT?

Weiterlesen

Mittlerweile besitze ich nur noch das, was in meinen Backpacker Rucksack passt. Ich lebe als Minimalist.

Wie es dazu gekommen ist und wie ich vorgegangen bin, kannst du in einem Beitrag von mir lesen: Artikel lesen

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Ich lese alle Kommentare und antworte, wenn nötig!

Bildquellen

  • raus-aus-dem-hamsterrad.jpg von Mylius, Wikimedia
  • Hamster Wheel by Olivier Guin from The Noun Project

Über Simon

Hallo, ich bin Simon. Ich bin digitaler Nomade und reise um die Welt während ich meinen Lebensunterhalt verdiene und euch an meinen Erfahrungen teilhaben lasse. Folge mir auf Facebook, Instagram, Google+ und Twitter. Mehr Informationen über mich findest du hier.

2 Kommentare

  1. Hallo Simon! Toller Bericht! Du sprichst mir aus der Seele: hab grad nach nem Jahr voller Tiefpunkte meinen Beamtenjob gekuendigt und fuehl mich so gut wie nie – auch ohne Plan 🙂 die meisten, die das hoeren, wuerden mich wohl gerne sofort einweisen lassen 🙂 viele Gruesse aus Suedfrankreich, Anne

    • Hey Anne, großartig! Glückwunsch zu diesem Schritt! Du wirst ihn sicher nicht bereuen, egal wo es dich nun hintreibt.
      Nichts ist schlimmer als in einer unzufriedenen Situation festzustecken und nicht den Versuch zu wagen etwas daran zu ändern. Alleine
      der Versuch ist schon ein viel größerer Schritt, als viele sich trauen, in ihrem Leben zu gehen. Die Meinung der anderen darf
      man da gerne mal aussen vor lassen. 😉
      Wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg! Grüße Simon

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